Ist FigCraft von ArtCraft der neue Figma- und Adobe-Killer?

FigCraft: Figma-Killer?

Anfang Oktober 2026 hat ein kleines Team namens ArtCraft sieben kostenlose Open-Source-Nachbauten der bekanntesten Adobe-Apps auf GitHub veröffentlicht, geschrieben in Rust und mit viel Hilfe von KI. Tech-Seiten von PetaPixel bis The Register berichteten innerhalb weniger Tage darüber. Am 9. Oktober kam die achte App dazu: FigCraft, ein Clean-Room-Nachbau von Figma.

Ist das also das Ende der Design-Software im Abo? Wir haben den Code, die Roadmap und die Berichterstattung gelesen.

Kurz gesagt: noch nicht, und FigCraft sagt das selbst. Es ist eine beeindruckende frühe Alpha. Es ist kostenlos, läuft offline und deckt bereits den Großteil von Figmas Kern-Editor ab. Nach eigener Einschätzung ist es aber erst etwa zur Hälfte bereit für echte Arbeit. Figma-Dateien öffnen sich nur nach bestem Bemühen, Multiplayer ist eine Vorschau, Figma-Plugins laufen nicht, und KI-Funktionen gibt es keine. Ausprobieren lohnt sich heute schon. Ein sicherer Ort für Kundenprojekte ist es noch nicht.

FigCraft im dunklen Theme mit der Ridgeline-Wander-App: drei Smartphone-Screens auf der Arbeitsfläche, Ebenen-Panel und Design-Panel mit Auto Layout

Quelle: https://github.com/storytold/figcraft/blob/main/docs/images/shot-1-hero.png

Was ist FigCraft?

FigCraft ist eine App für Interface-Design und Prototyping von ArtCraft. In eigenen Worten ist es eine „Clean-Room-Neuimplementierung“ kollaborativer Design-Workflows. Das ArtCraft-Team hat es aus Figmas öffentlicher Dokumentation und dem beobachteten Verhalten gebaut, ohne Figmas Code, Dateiformate, Icons oder Bilder zu verwenden.

Die wichtigsten Fakten, Stand 19. Oktober 2026:

  • Preis: kostenlos und Open Source, unter MIT- oder Apache-2.0-Lizenz
  • Plattformen: native Apps für macOS, Windows, Linux und FreeBSD, dazu eine Browser-Version
  • Technik: 100 % Rust mit eigenem Renderer, ohne Electron und ohne Web-View
  • Datenschutz: kein Konto und keine Telemetrie; Dateien sind einfache .figcraft-Archive auf Ihrer eigenen Festplatte
  • Status: frühe Alpha. Das GitHub-Repository wurde am 9. Oktober angelegt und hatte bis zum 18. Oktober sieben Releases (v0.7.0).
  • Zuspruch: rund 2.800 GitHub-Sterne und 1.000 Forks in den ersten zehn Tagen

ArtCraft ist das Unternehmen des Entwicklers Brandon Thomas, der in der Berichterstattung über die Adobe-Nachbauten genannt wird. Es begann als KI-Studio für Bild und Video, und die „Crafting Apps“ sind seine neue Reihe kostenloser Kreativ-Tools. An FigCraft selbst arbeiten bereits Mitwirkende aus der Community.

Vorsicht vor Nachahmer-Seiten. Wer nach FigCraft sucht, findet ein Dutzend Download-Seiten, die nicht zu ArtCraft gehören. Die offiziellen Quellen sind das GitHub-Repository und getartcraft.com.

Die größere Geschichte: sieben Adobe-Apps, mit KI nachgebaut

FigCraft ist die neueste der Crafting Apps. Die ersten sieben nahmen sich Adobe vor:

ArtCraft-AppNachbau vonWofür
PhotoCraftPhotoshopBildbearbeitung
VectorCraftIllustratorVektorillustration
FilmCraftPremiere ProVideoschnitt, Farbe und Ton
LightCraftLightroomFotobibliothek und Raw-Entwicklung
PdfCraftAcrobatPDFs lesen, ordnen und schützen
EffectCraftAfter EffectsMotion Graphics und visuelle Effekte
DesignCraftInDesignSeitenlayout und Publishing
FigCraftFigmaInterface-Design, Komponenten und Prototypen

Schlagzeilen machte weniger die Software als die Methode. Laut PetaPixel hat der Entwickler die Apps mit Claude Opus 5.5 von Anthropic geschrieben, und FigCraft schätzt die verbleibende Arbeit in seiner eigenen Roadmap in Stunden eines KI-Agenten. PhotoCraft hat in weniger als drei Wochen über 68.000 GitHub-Sterne gesammelt. Inzwischen hat ArtCraft auch Klone von Word, Excel und PowerPoint veröffentlicht, die The Register als nicht produktionsreif beschrieb.

Jede dieser Apps ist als Alpha gekennzeichnet. Die Frage ist also nicht, ob sie Adobe oder Figma heute ersetzen. Sie lautet, wie weit sie in wenigen Wochen gekommen sind und was das für kostenpflichtige Design-Software bedeutet.

Was FigCraft schon gut kann

FigCraft wirkt beim Öffnen bewusst vertraut: Werkzeugleiste, Ebenen-Panel, Design-Panel, Menüs und Tastenkürzel sitzen dort, wo Figma-Nutzer sie erwarten. Dahinter steckt ein erstaunlich vollständiger Kern-Editor:

  • Auto Layout in beide Richtungen, mit Umbruch und Raster, Hug, Fill und Fixed, dazu Constraints und Layout-Raster
  • Komponenten und Varianten, mit Instanz-Overrides, die Änderungen überstehen, einem Assets-Panel sowie Styles und Variablen mit Modi für helle und dunkle Themes
  • Vektornetzwerke, mit Zeichenstift und Bleistift, Shape Builder, bearbeitbaren booleschen Operationen und Strichen mit variabler Breite
  • Prototyping, mit Verbindungen, Übergängen im Stil von Smart Animate, Variablen mit Bedingungen, Flows und einer Präsentationsansicht
  • Dev Mode, mit Ready-for-Dev-Status, Anmerkungen, Maßen und generiertem CSS-, HTML-, React-, SwiftUI- und Compose-Code
  • Kommentare und Versionsverlauf, inklusive Branches

Zwei Dinge heben es von Figma ab, statt es nur zu kopieren:

  1. Es arbeitet offline und bleibt privat. Es gibt kein Konto und keine Cloud. Nichts verlässt Ihren Computer, bis Sie eine Datei bewusst teilen.
  2. Es ist für KI-Agenten gebaut. Jeder Menüpunkt, jedes Werkzeug und jede Ziehbewegung ist einer von über 400 Befehlen. Dieselben Befehle laufen aus der App, einem Kommandozeilen-Tool, einem JSON-Steuerkanal und einem eingebauten MCP-Server, sodass ein Agent wie Claude Code Designs direkt anlegen und bearbeiten kann. Laut FigCrafts eigenen Parity-Notizen ist es für Agenten schon heute weiter als Figma.

Wo FigCraft noch nicht reicht

Das FigCraft-Team ist ungewöhnlich offen, was die Lücken angeht. Seine Roadmap misst den Abstand zu Figma Bereich für Bereich:

  • Etwa zur Hälfte fertig. Das Team sieht FigCraft bei etwa 53 % der Reife für echte Arbeit und bei etwa 50 % für die wöchentlichen Aufgaben einer typischen Designerin oder eines typischen Designers.
  • Figma-Dateien nach bestem Bemühen. .fig-Dateien lassen sich öffnen, aber der Import wurde noch nicht an echten Design-Dokumenten geprüft. Das Speichern zurück ins .fig-Format ist experimentell.
  • Zusammenarbeit ist eine Vorschau. Live-Sessions funktionieren, aber es gibt noch keine Konten, Teams oder Cloud, und der Code oder Link ist der Zugang. Der öffentliche Sharing-Server speichert Dateien unverschlüsselt und verspricht weder Backups noch Verfügbarkeit.
  • Figma-Plugins laufen nicht. FigCraft hat ein eigenes Plugin-System, aber keinen öffentlichen Plugin-Katalog und keine Community-Dateien.
  • Es gibt keine KI-Funktionen. Erste Entwürfe, Ebenen umbenennen und Bildbearbeitung stehen alle bei 0 %. Figmas separate Produkte FigJam, Slides, Sites und Make sind nicht geplant.

Für Solo-Designer ist das meiste davon verkraftbar. Für ein Team, das täglich Dateien mit Kunden austauscht, schließt es FigCraft vorerst aus.

Ist FigCraft also ein Figma-Killer?

Das hängt davon ab, wer Sie sind:

Sie sind …Urteil heute
Studierende, Hobby- oder Solo-DesignerAusprobieren. Es ist kostenlos, schnell und vertraut, und der Kern-Editor ist da.
Entwickler oder KI-BastlerJetzt ausprobieren. CLI und MCP-Server machen es zum am besten skriptbaren Design-Tool.
Ein Design-TeamNoch nicht. Erst braucht es Konten, zuverlässigen Multiplayer und Dateiaustausch.
Eine Agentur mit Kunden-ÜbergabenNoch nicht. Kunden schicken .fig-Dateien und erwarten Figma-Links. Kundenprojekte bleiben in Figma.

Die größere Verschiebung ist das, was FigCraft beweist. Ein glaubwürdiger Figma-ähnlicher Editor ist in Tagen entstanden, nicht in Jahren. Selbst wenn FigCraft nie volle Parität erreicht, setzt das unter Druck, was ein Design-Tool kosten darf, und verschiebt den Wert auf das, was nach dem Design passiert.

Und ist ArtCraft ein Adobe-Killer?

Es ist dasselbe Bild mit einem größeren Ziel. Adobes Burggraben sind nicht die Menüpunkte, die ArtCraft inzwischen schnell kopieren kann. Es sind Jahrzehnte an professionellen Workflows, Dateiformaten, Farbmanagement, Plugins und Schulungen, und das lässt sich langsamer nachbauen als eine Oberfläche. Derzeit sind alle sieben Adobe-Nachbauten Alpha-Software.

Was ArtCraft schon verändert hat, ist die Preisdiskussion. Eine kostenlose, quelloffene, mit KI gebaute Alternative, die für viele Alltagsaufgaben „gut genug“ ist, ist eine neue Art von Konkurrenz für Abo-Software.

Was das für den Weg zur Live-Website bedeutet

Egal, welches Tool gewinnt: Eine Design-Datei ist noch keine Website. FigCrafts Dev Mode erzeugt Code für eine Komponente oder einen Frame, aber keine Website, die Ihr Marketing-Team in einem CMS bearbeiten kann. Das ist dieselbe Lücke wie bei Google Stitch oder Claude Design.

Es gibt drei Wege von einem neuen Design-Tool zu einer Live-Website auf HubSpot oder WordPress:

  1. Die finale Datei in Figma halten. Das transjt-Plugin läuft in Figma, und FigCraft führt keine Figma-Plugins aus. Wenn Sie in FigCraft skizzieren, übertragen Sie das finale Design nach Figma und exportieren es von dort zu HubSpot oder WordPress.
  2. Eine .fig-Kopie speichern (experimentell). FigCraft kann eine .fig-Kopie speichern, die Sie anschließend in Figma importieren. Der Export ist experimentell, prüfen Sie also Komponenten, Variablen und Auto Layout in Figma, bevor Sie exportieren.
  3. Über Code gehen. Lassen Sie einen KI-Agenten wie Claude Code mit FigCrafts MCP-Server und dem generierten React-Code die Website als React-Projekt mit Vite bauen, ohne serverseitiges Rendering. Pushen Sie sie zu GitHub, und transjt macht aus dem Repository ein natives HubSpot- oder WordPress-Theme.

Wir haben ein FigCraft-Projekt noch nicht komplett mit transjt getestet. Mit den Wegen 2 und 3 würden wir anfangen, und wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald wir es getan haben.

Fazit

FigCraft ist heute kein Figma-Killer, und ArtCraft ist noch kein Adobe-Killer. Beide sind frühe Alphas und sagen das ehrlich. Trotzdem gehören sie zu den wichtigsten Geschichten über Design-Tools im Jahr 2026, weil sie zeigen, wie schnell KI Software nachbauen kann, an der Jahre geschrieben wurde.

Für Ihre nächste Kunden-Website nutzen Sie weiter die Tools, die Ihr Team und Ihre Kunden schon teilen. Für Ihr nächstes Nebenprojekt probieren Sie FigCraft aus. Egal, mit welchem Tool die Website gestaltet wird: Der Schritt, der daraus eine Website macht, die Ihr Team selbst betreibt, bleibt derselbe, nämlich das Design in ein natives Theme in einem CMS zu verwandeln.

Häufige Fragen

Ja. FigCraft ist kostenlos und Open Source unter MIT- oder Apache-2.0-Lizenz, ohne Konto und ohne Abo. Es läuft auf macOS, Windows, Linux und FreeBSD sowie im Browser.

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